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Wirtschaft

24.10.2017 - Artikel

Stand: Oktober 2017

Charakteristika

Namibia zählt gemäß Weltbank-Klassifizierung zur Gruppe der "Länder mit oberem mittlerem Einkommen". Für 2017 wird ein Wirtschaftswachstum von 2,5% und für 2018 von 3,7% prognostiziert.

Das Volkseinkommen ist trotz einer schnell wachsenden Mittelschicht immer noch sehr ungleich verteilt (Gini-Koeffizient von rund 0,58). Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsschwelle; die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 34 Prozent. Namibia ist ein Land mit sehr geringer Bevölkerungsdichte (2,4 Einwohner pro Quadratkilometer). Das Land verfügt über einen großen Reichtum an Bodenschätzen (Diamanten, Uran, Kupfer, Zink), Fisch- und Viehbeständen sowie mit seiner landschaftlichen Schönheit über große Anziehungskraft für den Tourismus.

Standort Namibia

Namibia ist einer der SADC-Mitgliedstaaten, die seit 2006 am stärksten an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Namibia war eines der wenigen Länder der Welt, die sich im Geschäftsklimaindex der Weltbank 2015 nicht verbessert haben. Im Global Competitiveness Index (GCI) 2014/15 des World Economic Forums konnte sich Namibia nur deshalb um zwei Plätze von Rang 90 auf 88 verbessern, weil drei Länder, die zuvor besser bewertet worden waren, in diesem Jahr nicht berücksichtigt wurden.

Schwachpunkte bleiben das Gesundheits- und Bildungswesen. Namibias Stärken liegen v.a. in der stabilitätsorientierten Geld- und Fiskalpolitik, gut entwickelten Finanzmärkten, einem hohen Maß an politischer Stabilität und Rechtssicherheit sowie einer gut entwickelten Infrastruktur, insbesondere im Bereich der Telekommunikation und bei Verkehrswegen und Seeanbindung.

Außenwirtschaft

Namibia ist ein außenwirtschaftlich stark verflochtenes Land. Die Exportquote liegt in der Größenordnung von rund 43 Prozent, die Importquote bei über 52 Prozent. Die Leistungsbilanz weist in der Regel einen Überschuss auf, da das Handelsbilanzdefizit durch den positiven Saldo der Übertragungsbilanz überkompensiert wird. Grund sind die substantiellen Transferzahlungen, die Namibia aus der Zollunion im südlichen Afrika (SACU) sowie aus der Entwicklungszusammenarbeit zufließen.

Die Bodenschätze Diamanten, Kupfer und Uran allein machen ungefähr 40 Prozent des Exportvolumens aus. Daneben werden hauptsächlich Agrarprodukte (Fisch, Fleisch und Trauben) exportiert. Diese Güterexporte gehen zu rund einem Viertel in Länder der SACU, zur Hälfte nach Europa. Namibia verfügt überdies mit seiner landschaftlichen Schönheit über große Anziehungskraft für den Tourismus.

Importiert werden hauptsächlich Kraftstoffe, Erdöl und Erdölerzeugnisse, Strom, Kraftfahrzeuge, Maschinen sowie Nahrungsmittel. Ursprungsland der meisten Importe (circa 70 Prozent) ist Südafrika. Die enge Verflechtung mit der Volkswirtschaft der benachbarten früheren Mandats- und Besatzungsmacht kommt nicht nur im Handelsvolumen zum Ausdruck, sondern auch in der starken Präsenz südafrikanischer Dienstleister (Handel, Banken, Versicherungen).

Gesamtwirtschaftliche Situation

Durch systematisches Krisenmanagement, vor allem dank einer konsequenten Fiskalpolitik, gelang es Namibia die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise recht schnell zu überwinden. Seit 2010 pendelte sich die jährliche Wachstumsrate bei etwa 5 Prozent ein, womit sich die namibische Wirtschaft entgegen den ungünstigen weltwirtschaftlichen Einflüssen weiterhin als robust erwies. Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum 2017 liegen bei 2,5% und für 2018 bei 3,7%.

Dieses Wachstum wurde vor allem durch Investitionen in Infrastruktur- und Bergbauprojekte getragen. Aber auch eine Erholung in der Landwirtschaft nach der Dürre im Vorjahr und im Bergbau, insbesondere der Diamantenförderung, sowie der von der wachsenden Mittelschicht und dem Einkaufstourismus aus den Nachbarländern profitierende Einzelhandel spielten eine Rolle.

Fiskalpolitik und Staatsfinanzen

Im Haushalt 2016/17 stehen Ausgaben in Höhe von 62 Milliarden Namibia Dollar stehen Einnahmen von 56 Milliarden gegenüber (Haushaltsdefizit von ca. 3,6% des Bruttoinlandsprodukts); die öffentliche Verschuldung soll bei 42 % des Bruttoinlandsprodukts stabilisiert werden. Größte Ausgabenblöcke sind: Personal, Staatsunternehmen, Sozialprogramme und Bildung. Der Haushalt soll nach Willen der Regierung die fiskalische Konsolidierung fortsetzen, Wachstum anregen und mehr staatliche Daseinsvorsorge ermöglichen.

Geld- und Währungspolitik

Die Währungsunion mit direkter 1:1 Bindung des namibischen Dollar an den südafrikanischen Rand steht immer wieder in der Kritik, da dadurch wirtschaftliche Probleme in Südafrika direkt durchschlagen. Eine Entkoppelung ist jedoch nicht geplant.

Die mit den umfangreichen Investitionsvorhaben der letzten Jahre verbundenen Einfuhren von Investitionsgütern haben die Währungsreserven stark abschmelzen lassen, so dass sie einer Importdeckung von knapp über drei Monaten entsprechen. Die Inflationsrate liegt derzeit bei 6%.

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