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Ausstattungshilfeprogramm der Bundesregierung für Namibia

18.03.2021 - Artikel

Seit mehr als vier Jahrzehnten unterstützt Deutschland mit seinem Ausstattungshilfeprogramm ausländische Streitkräfte. Namibia wurde 1992 in das Programm aufgenommen.

Das Ausstattungshilfeprogramm der Bundesregierung dient der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Streitkräften ausgewählter Staaten in Afrika. Ziel ist es, gemeinsam Fähigkeiten zu fördern und aufzubauen, die zur Friedenserhaltung in diesen Ländern beitragen. Zudem sollen Partnerländer in die Lage versetzt werden, im Rahmen von Einsätzen der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC), der Afrikanischen Union (AU) und der Vereinten Nationen (VN) Bemühungen um Frieden und Stabilität in der Region und auf dem afrikanischen Kontinent im Sinne der „African ownership“ zu unterstützen.

Seit 1992 ist Namibia Partner in diesem Ausstattungshilfeprogramm. Seit dem wurden regelmäßig Programmvereinbarungen mit einer Laufzeit von vier Jahren geschlossen, innerhalb der verschiedene Projekte gemeinsam umgesetzt wurden. Die Ausstattungshilfe betrug bisher mehr als 30 Millionen Euro.

Zahlreiche Projekte wurden bislang abgeschlossen:

  • Munitionsvernichtungsanlage in WALVIS BAY
  • Fahrschulausbildungseinheit in der OSONA BASE
  • Feldlazarett UN-Level I und Level II in der OSONA BASE
  • Kfz-Werkstatt und Sanitätsbereich in OSHIVELO
  • Aufbau einer Kfz-Mechaniker Lehrwerkstatt
  • Ausbildung von Kfz-Mechanikern und Materialbewirtschaftern in LEOPARDSVALLEY

Achte Programmvereinbarung unterzeichnet

Zwei Personen stehen vor den Flaggen Deutschlands, Namibias und der Afrikanischen Union und halten Unterschriftsmappen in der Hand.
v.l.n.r.: Der Deutsche Botschafter Herbert Beck mit der Staatssekretärin im Ministerium für Verteidigung und Veteranenangelegenheiten Trephine P. Kamati.© Deutsche Botschaft Windhuk

Am 24.02.2021 unterzeichneten Deutschland und Namibia die achte Programmvereinbarung im Rahmen des Ausstattungshilfeprogramms. Damit wird die Zusammenarbeit beider Staaten in diesem Bereich auch in den Jahren 2021 bis 2024 fortgesetzt. Die Vereinbarung beläuft sich auf 5,3 Mio Euro (entspricht mehr als 100 Millionen Namibischen Dollar) und endet im Dezember 2024.

Verantwortlich für die Durchführung der vom Auswärtigen Amt finanzierten Projekte vor Ort ist die Beratergruppe der Bundeswehr (German Armed Forces Technical Advisory Group, GAFTAG). Sie ist eine eigene Dienststelle der Deutschen Bundeswehr mit bis zu sieben Soldaten.

Aktuell werden die folgenden Projekte unterstützt:

Projekt 1: Aufbau eines mobilen Gefechtsstandes SADC Standby Force

Der Aufbau eines mobilen Gefechtsstandes zur Führung von Einheiten der SADC Standby Force Namibias ist ein neu begonnenes Projekt und soll Namibia befähigen, eigene und weitere Einheiten der SADC Standby Force in Einsätzen der SADC, der AU und der VN führen zu können.
Geplantist eine containergestützte Lösung, die über eine entsprechende Anzahl von Arbeitsplätzen verfügt und im Mehrschichtbetrieb genutzt werden kann. Die Führung für einen Truppenkörper bis in Stärke eines Brigadeäquivalentes ist dabei die maßgebende Größe.

Der Gefechtsstand wird autark operieren können und ist einsetzbar auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Die namibischen Streitkräfte stellen dafür geeignete Transportfahrzeuge, Fernmeldegerät und die Verpflegungseinrichtung bereit. 

Darüberhinaus gehört zum Projekt die Ausbildung des Gefechtsstandpersonals. Für Mitte 2023 ist eine militärische Übung geplant, in der das Gefechtsstandspersonal die neu erworbenen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann.

Projekt 2: Fortführung der Ausstattung des zentralen Unterstützungselementes für Friedensmissionen in der Osona Base

Vier Personen stehen nebeneinander in einer Halle und blicken in die Kamera.
Schlüsselübergabe für das zentrale Unterstützungselement Friedensmissionen am 09.12.2020; (2. von links nach rechts): Herbert Beck (Botschafter),  Hon. Hilma N. Nicanor (Stellvertretende Verteidigungsministerin), M. Pinehas (Generalinspekteur Air Marshall) und K.E. Kashindi (Kommandeur der Militärschule und Brigadegeneral)© Deutsche Botschaft Windhuk

Auf der Osona Base in der Nähe von Okahandja wurde in der zurückliegenden Programmvereinbarung 2017 bis 2020 ein zentrales Unterstützungselement für Friedensmissionen aufgebaut. Dieses Element dient der einsatzorientierten Vorbereitung von Personal und Material für Einsätze im Rahmen der SADC, AU und VN.
Das zentrale Unterstützungselement, im Sprachgebrauch der namibischen Streitkräfte (NDF ) auch Berufsausbildungszentrum der NDF genannt, bietet seit 2021 sechs weitere Berufsausbildungen für die Soldatinnen und Soldaten der Streitkräfte an. Die Ausbildungen werden nach drei Jahren mit einem zivilen Abschluss beendet.

Dies umfasst folgende Berufe:  

  • Maurer
  • Bautischler
  • Elektriker
  • Klimatechniker
  • Klempner und
  • Schlosser

Neben dem Anteil Berufsausbildung umfasst dieses Projekt mehrere Kfz-Werkstätten zur Instandsetzung von Radfahrzeugen und zur Vor- und Nachbereitung der Einsätze. Es ist nicht nur die Instandsetzung möglich, sondern gleichfalls können Spezialarbeiten im Bereich Hydraulik und Schweißen durchgeführt werden, ebenso wie die komplette Neulackierung in der Lackierhalle. 

Zu sehen ist ein Backsteingebäude mit Tür und Fenster, über der Tür steht das Wort reception.
Die in einer früheren Programmvereinbarung aufgebaute Lehrwerkstatt für Kfz-Mechaniker wurde 2020 in dieses Element mit eingebunden.© GAFTAG Namibia

Im Weiteren ist in diesem Unterstützungselement eine Werkstatt für Medizintechnik integriert, die in der Lage ist, das gesamte Spektrum an genutzter Medizintechnik instand zu setzen. Diese Werkstatt wird im laufenden Programm zu einem „Zentrum für die Instandsetzung von Medizintechnik“ ausgebaut, bündelt die personellen und materiellen Fähigkeiten der Streitkräfte und kann überschüssige Kapazitäten dem staatlichen Gesundheitssektor zur Verfügung stellen.

Mit diesen Fähigkeiten und Möglichkeiten bindet dieses Projekt alle bisherigen Projekte des Ausstattungshilfeprogramms  mit Ausnahme der Munitionsvernichtungsanlage zusammen und ermöglicht den namibischen Streitkräften Einsätze im Rahmen der SADC, AU und VN durchzuführen, aber auch im Bereich Katastrophenhilfe im In- und Ausland tätig zu werden.

Weitere Informationen gibt die Pressemitteilung vom 14.12.2020 (in englischer Sprache): Germany supports construction of Central Mission Support Element at Osona Military Base

Projekt 3: Errichtung und Ausstattung einer zentralen Ausbildungseinrichtung Sanitätswesen

Dieses Vorhaben ist die Fortsetzung des Projektes „Zentrale sanitätsdienstliche Ausbildungseinrichtung“ aus der vorherigen Programmvereinbarung. Die Notwendigkeit der Ausbildung von nichtärztlichem, medizinischem Fachpersonal für das Feldlazarett und andere medizinische Einrichtungen der Streitkräfte bekam in der Vergangenheit einen immer größeren Stellenwert. Deshalb wurde von der namibischen Seite beschlossen, eine zentrale Ausbildungseinrichtung Sanitätswesen in der Osona Base aufzubauen. Die GAFTAG wurde beim Aufbau dieser Einrichtung um Unterstützung gebeten.

Zu sehen ist ein längliches Backsteingebäude mit zentralem Treppenhaus.
Unterkunftsblock für die Auszubildenden der zentralen Ausbildungseinrichtung Sanitätswesen.© GAFTAG Namibia

Die laufenden wie auch die zukünftigen Ausbildungsprogramme wurden an zivilen Ausbildungen ausgerichtet, so dass die  Absolventinnen und Absolventen die teilweise bis zu zwei Jahren dauernden Kurse mit einem zivilen Abschluss bzw. mit anrechenbaren Leistungen auf weiterführende zivile fachliche Qualifikationen abschließen. Mit der Erarbeitung des Ausbildungskonzeptes bis Ende 2021 wird die Grundlage geschaffen diese zentrale Ausbildungseinrichtung Sanitätswesen in seiner Gesamtheit umzusetzen. Der letzte Schritt dazu wird die Errichtung eines Lehr- und Hörsaalgebäudes sein.

Auf der Grundlage eines Memorandum of Understanding zwischen der Namibia Universität of Science and Technology (NUST) und dem Verteidigungsministerium Namibias wird es in Zukunft eine enge Zusammenarbeit in der Ausbildung von medizinischem Fachpersonal geben.

Projekt 4: Ausstattung der akademischen School of Military Science der University of Namibia (UNAM)

Auch dieses Projekt wurde 2021 neu begonnen und hat zum Ziel, die akademische Ausbildung von militärischem Führungspersonal zu fördern.

Die Ausbildung der 2014 gegründeten School of Military Science als Teil der University of Namibia (UNAM) basiert auf Büchern und digitalen Medien und bietet bislang kein praktisches Anschauungsmaterial. Mit dem Projekt unterstützt die GAFTAG die Beschaffung von Modellen für die unterschiedlichsten Studienbereiche und bei der Fort- und Weiterbildung des Lehrpersonals.

Zudem  sind Besuche bei den akademischen Ausbildungsstätten der Bundeswehr in Hamburg und München vorgesehen, um so eine Vergleichsmöglichkeit zu bekommen und Ansätze der akademischen Ausbildung anderer Streitkräfte kennen zu lernen.

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